Kastulus Bader Stiftung

„Ich gehe meinen Weg“

15. Oktober 2020


„Ich gehe meinen Weg“

Das Buch „Lehmis Abenteuer“ und die ungewöhnliche Karriere des Landshuter Autors Thomas Ecker

 

Landshut. Bilder mit Motiven des Heiligen Grals hängen an den Wänden mit der goldenen Seidentapete. Ein brüllender Löwe ziert das Sitzkissen des mit Pflanzenmotiven gemusterten Polstersessels. Auf dem Parkett liegt vor einem Kamin ein flauschiger Teppich. Nur ein Gegenstand stört das Bild vom Arbeitszimmer eines Gentlemans im viktorianischen England: der Laptop auf dem Schreibtisch aus dunklem Holz. „Das ist mein Rückzugsort, mein Heiligtum“, sagt Thomas Ecker über das Zimmer, wo er sein Leben vor Monaten komplett umgekrempelt hat. Hier hat er sein erstes Buch geschrieben, das ab 10. November in den Buchläden liegt. „Lehmis Abenteuer“ heißt das. Es ist auch die Geschichte eines Ausstiegs.

 

Das Kinder- und Jugendbuch, das Ecker im Auftrag der Leipfinger-Bader Ziegelwerke für die Kastulus-Bader Stiftung geschrieben hat, ist eine Fabel über den Sinn der eigenen Existenz. Ein Buch über innere und äußere Widerstände, über Vielfalt, Freundschaft, Zusammenhalt und darüber, welche seltsamen Wege das Leben manchmal geht. Im Mittelpunkt: ein kleiner Lehmbrocken, dessen abenteuerliche Reise in einer Lehmgrube bei Vatersdorf beginnt. „Für mich ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen“, sagt der 51-Jährige über das Buch und sein neues Leben. Der 51-Jährige hat damit seine kreative Leidenschaft endgültig zum Beruf gemacht.

 

Noch vor zwei Jahren führte der Lebensweg von Thomas Ecker in eine andere Richtung. Er arbeitete als erfolgreicher Verlags- und Agentur-Manager und war der Vorgesetzte von zahlreichen Mitarbeitern. Gerade erst hatte er eine Marketing-Agentur für seinen Verlag gegründet. Seine kreative Seite kam ihm seit jeher in seinem Job zugute. Thomas Ecker war der Mann für ungewöhnliche Kampagnen und Events. Ein kreativer Kopf, der versuchte, seine Leidenschaft für das Theater soweit es eben irgendwie ging auch im harten Business zu leben, bis er plötzlich an einem Wendepunkt stand. „Ich passte nicht mehr in meinen alten Job.“

 

In seiner Freizeit hatte er lange Jahre am Theater Nikola in Landshut Regie geführt und dort auch unzählige Rollen gespielt. In den letzten Jahren absolvierte Ecker eine Ausbildung zum Geschichtenerzähler und hospitierte am Landestheater Niederbayern im Bereich Regie. Mit seinem ersten Werk als Autor und Regisseur bei den Profis, dem Weihnachtsmärchen „Aladdin“, feierte er einen großen Erfolg. Da war eigentlich klar, wohin die Reise für ihn gehen würde. „Die Geschichte in meinem alten Job war auserzählt.“

 

Als kreativer Kopf berät er neben seinen künstlerischen Engagements seitdem Unternehmen und Institutionen. Schließlich kam ein Anruf von den Ziegelwerken Leipfinger-Bader aus Vatersdorf. „Ich sollte für einen guten Zweck, die Kastulus-Bader-Stiftung, ein Kinderbuch konzipieren und schreiben, das auch die Werte des Familienunternehmens transportiert und dafür mit dem Landshuter Maler Bernhard Kühlewein zusammenarbeiten.“ Eine Herausforderung, aber auch ein Traum-Angebot für den 51-Jährigen. Knapp zwei Jahre arbeiteten er und Kühlewein an dem Buch, das jetzt erscheint.

 

Das fertige Werk „Lehmis Abenteuer“ liegt mit 70 bunten Zeichnungen von Bernhard Kühlewein in der „Ur-Fassung“ zugeklappt auf einem Notenständer im Arbeitszimmer gleich neben Eckers Schreibtisch. Das Projekt ist abgeschlossen, seine Laufbahn als Buchautor ist es auf alle Fälle nicht. Es gibt bereits weitere Aufträge für seine Feder. Unter anderem ein Märchenbuch für einen renommierten Münchner Verlag, das im Herbst 2021 erscheinen wird. Festlegen lassen auf eine Rolle als Kinderbuchautor will sich der 51-Jährige aber nicht. „Ich gehe meinen Weg, genau wie Lehmi“, sagt er. Und wer weiß schon, wo der ihn noch hinführt.

 

Foto: Thomas Ecker an seinem Rückzugsort. In seinem Büro entstand die Idee zu „Lehmis Abenteuer.“