Kastulus Bader Stiftung

„Neuer Geschichtsboden“: Heimatgeschichte erleben

27. November 2020


ERÖFFNUNG IM FRÜHJAHR 2021 GEPLANT

Rene Spanier

Helle Räume, sichtbarer Dachstuhl, weiße Präsentationstische – ein Blick in das oberste Geschoss des Verwaltungsgebäudes der Leipfinger-Bader-Ziegelwerke lässt das neue Museum bereits erahnen. Noch fehlen die meisten Exponate, doch bereits jetzt ist der Hauch der Geschichte schon spürbar. Bereits im Frühjahr 2021 sollen im „Neuen Geschichtsboden“ Dokumente und Gerätschaften des Bucher Heimatforschers Hans Schneider zu sehen sein.
Geschichte hautnah erleben und spüren – das ist das Ziel des Geschichtsbodens. Seit 2017 wird am „Neuen Geschichtsboden – Raum für Heimat, Identität, Geschichte und Baukultur“ gearbeitet. Entstehen soll ein „Zentrum der Regionalkultur“.

Heimatforscher Hans Schneider hat eine große Sammlung an Dokumenten, Bildern und Gerätschaften zur Bucher Geschichte zusammengetragen. Diese war seit 1999 im Ersten Stock im Getränkemarkt-Gebäude am Rathausplatz, dem “ Geschichtsboden“, einsehbar. Dort fanden monatlich die „Geschichtsbodenabende“ statt. Dabei hielten Schneider oder Gastreferenten Vorträge zur Historie aus Buch und Umgebung. Der heute 79-jährige leitete bis ins Jahr 2017 rund 200 Geschichtsbodenabende und hielt über 150 Vorträge. Er führte mehr als 100 Besuchergruppen durch den Geschichtsboden. Die Räume waren nun aber zu eng geworden. Also nahm Schneider 2017 das Angebot von Thomas Bader, Inhaber der Ziegelwerke Leipfinger-Bader, an, den Geschichtsboden im obersten Geschoss des Verwaltungsgebäudes in Vatersdorf zu installieren.

Museumsleiterin Stefanje Weinmayr und Heimatforscher Hans Schneider gewährten unserer Zeitung vorab einen Einblick. Das neue Kulturprojekt erstreckt sich über 600 Quadratmeter; es gliedert sich in einen Empfangsbereich, Seminar- und Vortragsraum sowie einen Gang mit dem Ausstellungssaal. Angrenzend zum Ausstellungssaal befindet sich ein Büro mit Archiv. Das neue Museum wird mit einem Aufzug barrierefrei zu erreichen sein.

 

Mit der Zeitmaschine in die Vergangenheit
Die Kunsthistorikerin erläuterte das Ausstellungskonzept. Im Empfangsbereich wird demanch ein Portrait von Hans Schneider und die Chronik des Geschichtsbodens gezeigt. Mit Projektionstechnik wird eine „Zeitmaschine“ aufgebaut. „Diese soll den Besucher mitnehmen auf eine Zeitreise durch 2 400 Jahre Heimatgeschichte“, erklärte Weinmayr. Im Gang zum Ausstellungssaal soll mit einer Bücherbank der analoge Kontrast dazu entstehen. „Es soll die Lust auf das eigentliche Museum geweckt werden. Der Besucher soll noch einmal verweilen, ehe die Reise beginnt“, so Weinmayr. Zusätzlich wird in dieser Passage ein analoger Zeitstrahl mit einem Überblick über die Historie der Region angebracht.

 

Eintauchen in den zentralen Wissensspeicher
Herzstück ist aber der Ausstellungssaal. „Hier wird es in der Mitte einen zentralen Wissensspeicher geben“, erläuterte Weinmayr. Dabei handelt es sich um ein Präsentationsmodul mit Bildschirmen. Die Besucher sollen damit in die Tiefe des Wissensspeichers eintauchen können, lautet das Ziel. Sie können an den Bildschirmen Filme sehen, in denen Hans Schneider einige Ausstellungsobjekte erklärt. „Über dem Wissensspeicher werden wir unsere Objekt-Cloud-errichten“ verriet die Kunsthistorikerin. Dort werden dann konkrete Gegenstände aus Schneiders Sammlung aufgehängt. Zusätzlich werden um den Wissensspeicher herum noch einzelne Objekte ausgestellt.

Nicht für die Öffentlichkeit aber ebenso wichtig, ist das „Gedächtnis“ des Neuen Geschichtsbodens, das Büro mit Archiv. Im Büro gibt es viel Dokumentationstechnik und eine Bibliothek. Im Archiv befinden sich 1 000 Ordner von Hans Schneider mit Infos rund um die Gemeinde Buch. Weitere Ordner befinden sich in einem Archivraum des Verwaltungsgebäudes. Zudem wird auf dem Firmengelände gerade ein Depotraum für weitere Exponate des Geschichtsboden-Gründers gebaut. Denn im Sinne von Schneider und Weinmayr soll der Neue Geschichtsboden nie fertig werden. „Er soll mit Leben erfüllt sein. Er soll sich ständig fort- und weiterentwickeln, genauso wie sich Geschichte ständig weiterentwickelt“, so Weinmayr.

 

Geschichte kommt zu den Menschen
Der „Neue Geschichtsboden“ soll im Frühjahr 2021 öffnen. Dort soll es wieder „Geschichtsbodenabende“ jeden letzten Montag im Monat um 19.30 Uhr geben. Zudem sind bereits Sonderausstellungen geplant, eine von Sebastian Beck und Hans Kratzer zum Thema „Zeitlang. Expeditionen in ein unbekanntes Bayern“ und eine Ausstellung rund um die Geschichte der Wirtshäuser. Zudem soll der Geschichtsboden in die Region ausstrahlen. „Wir wollen, in Absprache mit der Gemeinde, an historischen Orten Schilder aufstellen, die die Menschen in die Vergangenheit eintauchen lassen“, so Stefanje Weinmayr. Zusätzlich will Hans Schneider Vorträge in Kindergärten, Schulen und Seniorenheimen halten.

 

Hans Schneider und Stefanje Weinmayr – die Köpfe hinter dem Geschichtsboden
Hinter dem „Neuen Geschichtsbodens“ stehen Heimatforscher Hans Schneider und Kunsthistorikerin Stefanje Weinmayr. Weinmayr unterstützt den Heimatforscher seit August 2020 bei der Weiterentwicklung des Museums. Gemeinsam werden die Dauer- und Wechselausstellungen entwickelt. Hans Schneider erforscht seit über 40 Jahren leidenschaftlich die Geschichte von Buch und der Region. Er hat eine große Sammlung an Dokumenten, Bildern und Gerätschaften zusammengetragen (1 700 Ordner und eine Million Bilder). Nur Dank seiner Aufzeichnungen war es der Gemeinde 2009 möglich, die 1250-Jahr-Feierlichkeiten zu feiern. Der heute 79-jährige erhielt 2008 die Bürgermedaille und wurde 2016 zum Ehrenbürger ernannt. Stefanje Weinmayr war nach dem Studium der Kunstgeschichte, europäischer Ethnologie und Germanistik seit 1995 mit der wissenschaftlichen Betreuung der Fritz-und Maria-Koenig-Stiftung mit Museumsaufbau betraut. Sie leitete von 1997 bis 2020 das Skulpturenmuseum in Landshut. Weinmayr gehörte zum Kuratoren-Team der Koenig-Retrospektive, 2018 in den Uffizien in Florenz.

 

Hans Schneider und Stefanje Weinmayr begutachten Zeitdokumente, einige davon werden in der Ausstellung zu sehen sein. (Quelle: René Spanier)

 

Blick in den Ausstellungssaal: Dort soll einmal die Dauerausstellung installiert sein, aber auch Sonderausstellungen sind schon in Planung. (Quelle: René Spanier)

 

Das Büro vom Geschichtsboden-Gründer und Heimatforscher Hans Schneider und Museumsleiterin Stefanje Weinmayr. (Quelle: René Spanier)

 

Das Foyer: Noch ist der Raum nicht mit Leben gefüllt, aber bald schon soll hier eine Zeitreise starten. (Quelle: René Spanier)

 

Ein Stück aus Schneiders Sammlung: Die Studiokamera stammt aus dem ehemaligen Bucher Fotogeschäft „Rauch“. (Quelle: René Spanier)

 

Blick in das neue Archiv: Hier stehen über 1000 Ordner von Hans Schneider. Ein Ergebnis seiner Forschungsarbeit zur Heimatgeschichte. (Quelle: Rene Spanier)